Milano

1. Tag - 3. Oktober 2010

Habe heute für 4 Wochen München verlassen, mit gemischten Gefühlen. Die Stadt zeigt sich im wunderschönen Oktober(fest) Wetter, viel zu warm für meinen dicken Pulli und den schweren Koffer. Warum schleppe ich ihn eigentlich? Hat die richtige Größe und 4 Rollen (neue Luxus Ausgabe einer bekannten Firma), ich muss ihn eigentlich nur Rollen, geht doch. Auch für die Reisetasche und Handtasche in hinkelsteinschwere habe ich mit der Zeit eine entspanntere Haltung gefunden. Man sieht, bin auch im Alter noch lernfähig, sollte ich auch sein, wenigstens die nächsten 4 Wochen. Auch das Einchecken beim LH Schalter freundlich und mühelos. Sollte es an meinem herzlichen „Grüß Gott“ gelegen haben? Man weiss ja, bayerisch verbindet, besonders in den Oktoberfest Wochen. Vielleicht sind sie auch alle froh, dass das Oktoberfest bald vorbei ist (ein Schelm, wer böses denkt). Auch der Security Mann lobt mich. Frage mich, was ich in den gefühltem halben Leben, das ich auf den Flughäfen dieser Welt verbracht habe, falsch gemacht? Plötzlich lauter nette, gut gelaunte Menschen um mich, keine Ahnung, ist auch egal. Bin gelöst und habe eine Stunde Zeit, gönne mir nun ein Gläschen Prosecco zur Einstimmung und lese in Ruhe alle kostenlosen Zeitungen. Dann steige ich in einen pünktlichen! Flug mit super nettem Personal. Komme mir vor, wie in einer Zeitschleife - nur Angenehmes - aus der ich auch gar nicht aufwachen möchte. Auch mein Koffer kommt sofort und ich !rolle! zum Ausgang und finde auch den Bus zur Statione Centrale relativ schnell. Setze mich ganz vorne hin und stelle meine Reisetasche neben mich. Ein Fehler wie ich schnell erkenne, denn alle Italiener möchten vorne sitzen (besteht hier eine Verbindung zu Ostfriesen ? -:)). Werde gemustert, kann aber meinen Platz relativ lange verteidigen. Dann füllt sich der Bus unangenehm (weiss noch nicht, dass ich mich an die Vorliebe der Mailänder für Nähe gewöhnen muss) und eine grelle Blondine mit mehr als barocken Formen presst mich ans Fenster. Egal, wollte ja eh aus dem Fenster schauen. Gibt aber leider nicht viel zu sehen, da Autobahn. Aber alle Hindernisse sind noch nicht beseitigt, der Fahrer diskutiert mit einer achtköpfigen Familie aus, welche Mitglieder mitfahren dürfen, es sind nur noch 3 Plätze frei. Die Familie siegt und sie werden komplett eingequetscht. Weiss jetzt, ich bin angekommen, ist halt alles anders in Italien. Die Fahrt zieht sich im viel zu warmen Bus durch den Stau ewig hin und ich hoffe, dass Mr. Mervin, der mir den Schlüssel zur Wohnung übergeben soll, durchhält. (Sollte sich jemand zur Nachahmung animieren fühlen, nehmt den Flughafen Zug, der steht nicht im Stau und man kann auch nicht beim Fahrer sitzen). Beschließe bereits im Bus, mir ab dem Bahnhof ein Taxi zu nehmen, um meine gute Laune beizubehalten. Also raus aus dem Bus, mit dem neuen „Rollgefühl“ (bis auf kleinere Unebenheiten klappt dies jetzt auch prima, man wächst ja bekanntlich an den Herausforderungen) zu den Taxis und ... das letzte fährt gerade weg. Bin total erschöpft und antworte deshalb auf die Frage eines gut gekleideten Italieners: Taxi? spontan mit JA und lande umgehend in einem super tollem Mercedes. Nachdem ich die Adresse übergeben habe, stehen wir auch schon im Stau (es ist Sonntag und Mailand und Umgebung ist beim Shoppen).  Habe nun viel Zeit und mir fällt ein, dass man ja in jedem Führer vor diesen (wilden) Taxis gewarnt wird. Super, kein Mensch weiss wo ich bin und der Fahrer weiss nicht, dass bestimmt keiner zahlt, um mich wieder zurückzubekommen. Auch das Alter hat Vorteile, wegen der Optik klaut mich bestimmt keiner mehr. Aber der Fahrer ist super nett, der Preis auch o.k. und ich bekomme sogar eine Quittung incl. seiner Telefonnummer.
An der Türe steht auch schon Mr Mervin, ein Asiate, Hausmeister o.ä., nicht der Wohnungsvermieter (den lerne ich später noch kennen), etwas pikiert durch mein spätes Erscheinen. Das Haus ist auch beruhigend gepflegt, jedenfalls für eine WG Wohnung, soll sogar jemand am Empfang geben. Nach einer Kurzeinweisung ist er auch schon wieder weg und ich kann endlich mal durchatmen. Die Wohnung ist auch o.k. und wenigsten oberflächlich sauber. Nachdem ich die Ecken von zwei Weberknechten (ich wachse über mich hinaus, normaler Weise würde ich jetzt Panik Attacken bekommen) und ein paar Staubweben befreit habe, packe ich aus und beschließe, das Viertel zu erkunden, es ist schließlich ein milder Abend und der Beginn einer spannenden Zeit in Mailand. Nach einer kleinen Runde lande ich wieder an der Eck Kneipe, sieht nett aus und ist voll, immer ein gutes Zeichen. Muss mich noch mit Englisch behelfen, klappt aber prima und zum ersten Mal komme ich in den Genuss des „Aperitifos“ (zu einem bestimmten Preis bekommt man einen Drink der Wahl und all-you-can-eat, der Preis etwa  zwischen 6 und 10 Euro). Habe auch gleich mit dem Mini Hund des Hauses Freundschaft geschlossen, fühle mich wohl hier. Bleibe noch sitzen und leiste mir einen zweiten Wein, beobachte die Menschen, alle sind gut drauf, gehen mit massen von Tüten zum Aperitifo - was ich noch nicht weiss - die Lieblingsbeschäftigungen der Mailänder sind „Fare spese“ (shoppen bis zum Abwinken) und Ausgehen, man setzt sich selbstbewusst und gekonnt in Szene, Stil ist alles. Sollte mir eigentlich gefallen, tut es eigentlich auch, aber nicht 24 Stunden am Tag. Trotzdem finde ich es toll hier.
Meine Mitbewohnerin, eine Taiwanesin, ist auch o.k., passt schon, sie ist auch neu, wir beschließen morgen zusammen zur Schule zu gehen. Nun ins Bett, morgen ist einer neuer, hoffentlich auch toller Tag. Mal sehen, was das Monat so bringt

2. Tag - 4. Oktober 2010

Heutiges Thema: Ich begegne mutig meinen Ängsten
Habe einigermassen geschlafen, es regnet und ist relativ kalt. Ausserdem habe ich einen weiteren Weberknecht hinter dem Vorhang entdeckt und im Bad. Resigniere und beschließe die Beiden an meinem Leben teilhaben zu lassen. Wusste nicht, dass ich so mutig bin. Ausserdem finden wir die Schule, trotz einer Minute Weg, nicht. Zur Beruhigung aller Zweifler, Google Maps weiss auch nicht alles, hier ist der Beweis: Google hat mich einmal um den Block geschickt. Wir fragen uns durch, von Charme nichts mehr zu merken. Auch daran werde ich mich gewöhnen müssen, der Mailänder ist nicht von Natur aus charmant.
Endlich sind wir in der Klasse angekommen, von gemeinsamen Frühstück kein Wort mehr, dafür ist am Automat ist eine lange Schlange, egal, sollte eh weniger Kaffee trinken. Aber ich habe HUNGER, war noch nie so lange ohne Essen. Na ja, schadet mir wahrscheinlich auch nicht, bin schon voll verweichlicht.
Der Lehrer schiesst uns mit einem Affenzahn durch die erste Lektion, oder sind es bereits Lektionen? Für Nachahmer: lasst Euch nicht abschrecken, dahinter steckt System, nur die Harten überleben und am Ende lohnt sich das Ganze.
War im Supermarkt (sh. gut zu wissen), die sind in Mailand jedenfalls super teuer. Könnte ja kochen, dazu müsste ich aber die Küche auf Vordermann bringen, keine Lust, werde bestimmt nicht verhungern. Eine neue Erfahrung für mich: ich muss auch nicht immer zwanghaft putzen. Würde meine Weberknechte auch nur erschrecken -:))
Dann mache ich mich wieder zur Erkundung der Gegend. Ich finde die Gegend super, viele kleine Geschäfte (die Versuchung pur) und Kneipen, wunderschöne Gebäude, fühle mich total wohl. Mit unserem Lehrer (Fabiano) machen wir uns auf einen Rundgang durch Navigli, leider schüttet es aus Kübeln. Zum Schluss landen wir wieder in der Kneipe von gestern, tropfnass. Bin etwas schüchtern (glaubt mir keiner) oder nur zu ungeduldig, mit der Zeit wird sich rausstellen, dass Lehrer und Mitschüler super sind. Eine Deutsche ist allerdings mehr als gewöhnungsbedürftig, spricht immer italienisch mit mir, auch mein Hinweis, dass ich sie eigentlich nicht verstehe (besonders mit dem harten Deutschen Akzent) stört sie gar nicht. Im Land spricht sie immer die entsprechende Sprache. Auf meine Rückfrage kann sie aber dann nur in 3 Länder fahren, denn sie spricht nur 3 Sprachen, eigentlich nur in 2, da darunter auch Deutsch und in Deutschland wohnt sie ja. Beschließe trotz der „einen“ gemeinsamen Sprache und des passenden Alters keinen Versuch zu unternehmen mit ihr in Kontakt zu bleiben. Ein weiteres Problem: mein nicht existierender Orientierungssinn, habe die Kneipe erst gar nicht erkannt, da wir von der anderen Seite gekommen sind, wie peinlich! Was ich noch nicht weiss, werde 2 Wochen benötigen, um alles einzukreisen. Aber dann! Finde ich fast alles!
Bin jetzt müde, leider gibt es keinen Fernseher und meinen Laptop habe ich auch nicht mit. Ein Fehler, jeder meiner Mitschüler ist voll ausgerüstet. Das nächste Mal,  JA, plane schon Florenz, nehme ich meinen MAC mit. Na, wenigstens kann ich in der Schule online gehen und habe mein iPhone mit.
Claudia, eine ganz liebe Kollegin, kommt eine Freundin in Mailand besuchen, mit Auto, werde anfragen, ob sie Sachen mitnehmen kann. Dann kann ich einkaufen, Schuhe!
Ein langer Tag geht zu Ende und es liegen noch viele, teilweise, aufregende und teilweise, nervige Tage vor mir.

3. Tag - 5. Oktober 2010

Schlechter Start in den Tag, es regnet was runter geht und ich habe schlechte Laune, die bevorstehenden 4 Wochen kommen mit plötzlich unendlich lang vor. Na ja, ziehe meinen Lieblings Katzenrock und einen Kashmir Pulli und passenden Overknees an, sehe trotzdem zerknittert aus, bin total müde.
Der Unterricht ist zäh und Einige wechseln die Klasse, ist ihnen zu schnell, ich bleibe natürlich (wer wird denn Schwächen zeigen?), typisch. Wenigstens die Pause läuft normal, ich habe zwei Kaffee und mein Brot und beantrage den Internet Zugang in der Schule. Der Tag ist gerettet!
Treffe ein Mädchen im PC Raum, sie ist ganz aufgeregt, bekommt ein Praktikum bei Gucci, cool!
Jetzt scheint auch die Sonne wieder, ich mache mich auf den Weg Mailand zu erobern und meine Laune ist auch wieder gut. Auf dem Weg zum Duomo treffe ich Nick aus meiner Klasse. Er schlägt vor, mir die Gegend ein bisschen zu zeigen, da er schon ein paar Wochen vor Ort ist. Er bleibt wahrscheinlich für ein Jahr und arbeitet teilweise als eine Art Aupair. Den jungen Mitschülern steht die Welt wirklich offen, aber ich werde sie mir auch zurück erobern - von der Schwere in die Leichtigkeit. Liegt jetzt alles an mir, wird bestimmt nicht einfach, but who says it‘s going to be easy?

4. Tag - 6. Oktober 2010

Der Unterricht ist wieder super anstrengend, wieder sind 2 in eine andere Klasse gegangen, mal sehen, wie lange ich durchhalte. Werde ich langsam zu alt für diese Art zu reisen, NEIN, bloss nicht aufgeben, den anderen geht es auch nicht besser. Gut, dass ich so nahe an der Schule wohne, mache Hausaufgaben und ruhe mich etwas aus.
Dann mache ich mich wieder auf den Weg, Ziel einige Supermärkte zu finden (soll welche geben, die billiger sind) und das Sushi Lokal für den Abend schon mal  einzukreisen. Nach 4! Stunden habe ich dann alles glücklich gefunden und die Hälfte von Navigli kennengelernt. Die andere Hälfte bekomme ich bestimmt auch noch hin. Stadtpläne und ich sind zwei Welten und Orientierung auch. Tolle Erkenntnis, aber man muss ja nicht alles können, jawohl, habe so viele Talente (wenn auch etwas versteckt). Könnte ja die Metro nehmen, aber das wäre viel zu einfach -:))
Abends geht das Chaos weiter in dem ursprünglichen Lokal war kein Tisch reserviert, so machen wir uns auf die Suche nach einem Ersatz. Das gestaltet sich sehr schwierig, da alles voll ist. Merke: Aperitifo ist beliebt. Dann werden wir in einem spanischem Lokal mit Italienischen Essen fündig. Dort wird gerade eine Single Party veranstaltet. Ist mir aber egal, ich habe, wie üblich Hunger. Essen ist o.k. und es gibt sogar Weissbier. Herz, was begehrst Du mehr? Eine Japanerin aus der Schule sitzt neben mir und erzählt mir, wie toll die Männer hier sind, nachdem sie ein Zettelchen mit der Single Nummer bekommen hat. In ihrer Heimat wird sie als alt und hässlich betrachtet und sie isst sehr einsam. Unglaublich, sie ist gerade mal 30 und bildschön. Egal, Japan hätte ich sowieso nicht in Erwägung gezogen :-)) Auf dem Rückweg gelange ich zu der Erkenntnis, dass ich nicht so leicht zu beeindrucken bin, die Typen stehen im Weg und weichen keinen Millimeter, ich natürlich auch nicht und somit entsteht wieder diese ungewollte Nähe mit Fremden, welche hier ja so beliebt ist. Jetzt lerne ich erst mal die Sprache, dann werde ich ihnen die Meinung sagen, Matchos -:))

5. Tag - 7. Oktober

Heutiges Thema: Ich gehe den Dingen auf den Grund
Schule war wieder tierisch anstrengend, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und bin ganz zufrieden damit. Die Klasse ist super nett und wir haben alle unsere Höhen und Tiefen.
War mit Kai einen Kaffee trinken, anschließend gehen wir mit seiner Freundin in eine Pizzeria in der Nähe der Schule essen, gut und günstig. Mit entsprechend viel Wein, aber, wie gesagt, ich habe ja nicht weit nach Hause. Die beiden sind super nett, schade, dass sie schon fahren. Catys Cousine ist heute auch gefahren. Ein ständiges Kommen und Gehen.
Die Foto Führung fällt aus, da ausser mir niemand kommt, verzichte ich. Erinnert mich etwas an meine erste Sprachreise, war manchmal auch etwas zäh.
Bin dann, wie üblich, durch die Gegend gedackelt und war um 19 Uhr wieder Zuhause und das in Mailand. Nun ja, man kann ja nicht immer Party machen -:))
Ich schnappe mir meine 2 Reiseführer und plane meine nächsten Aktionen. Beschließe ausserdem, dass ich 2 - 3 Mal die Woche Happy Hour oder Essen gehe. Bei einer solchen Reise muss man auf jeden Fall improvisieren können, läuft halt nicht immer so, wie man will und ohne TV und PC ist man etwas auf sich gestellt. Dies ist aber auf jeden Fall eine Erfahrung, die man machen sollte!

6. Tag - 8. Oktober

Thema des Tages: Ich sehe das Gute in anderen (manchmal schwer -:))
War eine sehr unruhige Nacht: um 22:30 hat Mr. Mervin den Abfluss gereinigt, Caty kam um 3:30 nach Hause und mein Bett löst sich in die Bestandteile auf.
Im Unterricht hat Fabiano uns durch die Körperteile gejagt, auf italienisch natürlich, nun habe ich überhaupt keine Peilung mehr, bei den Verben auch nicht. Sollte vielleicht mal ein bisschen lernen.
Dann kreise ich - wie üblich - ein Outlet ein, das es aber seit einem Jahr nicht mehr existiert, steht aber noch in jedem Reiseführer. Das zweite habe ich erst gar nicht gefunden. Aber Geduld, zum Schluss sind sie alle mein. Bin total fertig, kein normaler Mensch rennt Stunden durch die Stadt um Outlets zu finden, nur ich.
Für morgen habe ich schon etwas geplant, wird langsam. Diana (heimlich genannt Lady Di) hat beschlossen, dass wir morgen geschlossen zur Happy Hour gehen. Mit Eva, sie ist eine super Süße, habe ich Telefonnummern getauscht. Claudia hat zurück gemailt, dass sie mit Auto kommt, super, dann kann ich ja endlich shoppen. Bin schon fast eine Woche hier und habe nichts gekauft. Das wird sich aber ändern, morgen beabsichtige ich einen Designer Markt einzukreisen, falls ich ihn dann finde. Mal sehen, muss ja dann um 18 Uhr am Duomo sein, die Klasse trifft sich da.
Habe ausserdem meinen Nachbarn kennengelernt. War total witzig! Nachdem ich mitgeteilt hatte, dass ich hier bin um die schöne Sprache zu lernen, meinte er in Englisch mit diesem herrlichen Akzent: If you want to know anything about Italy - just ask me. Die wesentlich jüngere Frau mit Baby im Hintergrund. Tja, Mailand ist ein großes Theater und die „uomini“ sind die Hauptdarsteller. Ich möchte auch mal der Nabel der Welt sein -:))

7. Tag - 9.Oktober 2010

Habe ausgeschlafen und bin relativ relaxt. Beim verlassen der Wohnung habe ich schon wieder meine Nachbarn getroffen. Haben mich eingeladen, jederzeit bei Ihnen vorbeizuschauen, einfach nur klopfen. So sind sie auch die Italiener - offen und gastfreundlich. Finde ich natürlich ganz süß. Auch das Baby ist voll nett, ein bisschen zu dick, aber super freundlich. Auffallend ist, in Italien sind die Kinder überall dabei, aber viel besser drauf als die Deutschen. Mütter und Kinder immer voll gestylt im Edel Look, fühlt man sich bestimmt besser. Möchte hier auch gar keinen Vergleich mit den „Deutschen Frauen“ ziehen, obwohl mir hierzu viel einfallen würde.
Den Markt habe ich natürlich nicht gefunden, obwohl mir eine Deutsche den Weg sehr gut erklärt hat. Habe dafür Brera entdeckt und bin anschließend noch nach Statione Lima gefahren: Ausbeute 4 Paar Schuhe, 2 Schals und ......

Abends bin ich todmüde zur Verabredung geeilt, war auch sehr nett, sind eine tolle Klasse. Auf dem Heimweg habe ich mich schon wieder verlaufen! Wie kann man von 2! Kanälen den falschen erwischen? Manchmal könnte ich mich selber ohrfeigen!

8. Tag - 10. Oktober 2010

Super schlechter Tag! Ich erzähle dies einfach nur für Frauen, die das auch machen möchten: es gibt nicht nur tolle Tage, aber hier muss man durch, um am wirklichen Leben wieder anzuschliessen, ist eben so.
Also heute ist Castello angesagt, mit Führung der Schule. Caty braucht ewig bis sie fertig ist. Keine Idee warum Jemand, der eh gut aussieht sich erst Stunden schminken muss, aber das ist das Privileg der Jugend, als ich so jung war habe ich auch ewig gemalt. Dann hatte sie Hunger, in Mailand dauert FastFood ewig, es entspricht einfach nicht der Mentalität des Landes. Wenn man isst, ist es Genuss, wenn es kein Genuss ist macht man einen daraus, Show ist alles. Also, nach einer gefühlten Stunde eilen wir zur „Neadel“, die Gruppe ist bereits im Abmarsch. Eine Gruppe von weiblichen amerikanischen Frauen und einem Mann kommt langsam in Kontakt mir uns. Irgendwann wird es mir dann zuviel, ich eile nach Hause und schlafe den ganzen Nachmittag, Ruhe pur. Frage: bin ich zu alt für diese Art von Reisen? Lieber 50+? Heute bestimmt, morgen bestimmt nicht mehr. Vielleicht war auch die ganze Woche too much! Merke: nehmt Euch auch mal eine Auszeit, egal wie alt Ihr seid!

9. Tag - 11. Oktober 2010

Vormittag war o.k., die Verben machen mir zu schaffen! Vielleicht doch nicht so einfach? Hätte bei Spanisch bleiben sollen, kommt mir plötzlich einfach vor.
Lerne kurz (zu wenig?) und mache mich dann auf die Spur der Linia 3 in Richtung Duomo, kann ich mich wenigstens nicht verlaufen, oder? Entdecke auch einen der Edel 2nd Hands, ist aber zu teuer, eine LV Speedy für 350 Euro, eine Gucci zum selben Preis, beide nicht in bestem Zustand. Sonst ein paar nette Shops entdeckt, muss noch mal in Ruhe schauen, ist ja nicht weit.

Beschließe die Pizzeria abends aufzusuchen. Essen wieder gut und preiswert, leider lässt der Service etwas zu wünschen übrig. In Gruppen ist man offensichtlich etwas willkommener, empfindlich darf man in dieser Stadt nicht sein. Bin ich aber manchmal! Deshalb, Mailand und ich sind wie eine normale Beziehung, 50% schlecht - 50% gut, so ist das Leben und morgen ist auch wieder ein Tag.

10. Tag - 12. Oktober 2010


Schule war o.k., sitze jetzt neben André, er ist wirklich crazy auf eine total nette Weise (sollte vielleicht auch mal versuchen etwas relaxter zu sein). Nick und er wollen zu einem Friedhof gehen, ich liebe Friedhöfe und frage, ob ich mitkommen kann. Unsere süße Türkin (weiss immer noch nicht, wie man den Namen schreibt) und Sophia und eine merkwürdige Russin sind auch mit von der Partie. Und, es lohnt sich wirklich! Habe selten so etwas Schönes gesehen! Unglaublich, eine Oase mit einer unendlichen Ruhe inmitten dieser lauten und hektischen, manchmal auch aggressiven Stadt. Mir tun zwar die Füsse weh, habe natürlich meine neuen grauen Ballerinas an (lerne ich denn nie dazu? Nein -:))), aber trotzdem habe ich seit langem nicht mehr so viel Kraft in so kurzer Zeit geschöpft. So viel Schönes, man kann es gar nicht alles erfassen. Ich denke das CM muss man öfters besuchen.
Einiges steht an, auf das ich mich freue: mit Eva nächsten Samstag zu dem Designer Flohmarkt, habe das „Last Supper“ gebucht und auch den Ausflug nach Como. Wir Mädels wollen auch auf eigene Faust nach Bergamo. Die Schule bietet leider nicht genügend an, auf jeden Fall nicht in den 4 Wochen. Na, bin wieder die alte. Auf dem Rückweg habe ich mich dann mit einem Koreaner super unterhalten, über München, Milano und Software. Es ergibt sich doch immer alles, bin einfach manchmal zu ungeduldig, manchmal auch zu zurückhaltend (man möchte es nicht glauben).
Tagessatz: Ich danke der Schönheit, die mich umgibt!

11. Tag - 13. Oktober 2010

Der totale Frusttag, raffe gar nichts mehr in der Schule!

Deshalb bin ich, Frau kann ja nichts dafür, kreuz und quer durch die Stadt gelaufen und habe geshopped, Cowboystiefel mit Glittersteinen und ein Kleid mit Spitze - sieht cool aus und war auch nicht teuer. Na ja, es summiert sich natürlich, aber wie oft bin ich schon 4 Wochen in Mailand.

Dann noch in die Kneipe im die Ecke, Happy Hour, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung!

12. Tag - 14. Oktober 2010

Habe wie ein Stein geschlafen (kein Wunder). War mit Eva Mittags in der günstigen und guten Pizzeria essen. War richtig lustig, wir hatten viel Spass und das Essen war super. Danach ein kleines Nickerchen. Das Leben kann wirklich schön sein!

Abends waren wir Leonardos Letztem Abendmahl ansehen - gesichert wie Fort Knox - Wahnsinn, man muss durch einige Schleusen und die Karten sind auch nur 2 Wochen in voraus zu haben. Ist schon ein Erlebnis, ist aber auch schon sehr verblasst. Man sollte es schon gesehen haben. Leider ist die Zeit sehr bemessen, um das wirklich genießen zu können.

13. Tag - 15. Oktober 2010

Heute ist Claudia in Milano. Wir haben uns bei besagtem Italiener getroffen, geschlemmt und getrunken und das alles für 11 Euro pro Person. Dann sind wir kreuz und quer durch die Stadt, ist schon fast Gewohnheit.
Auf der Terrasse des Nobel Kaufhauses ein toller Blick, möchte nochmals auf einen Café herkommen.

Abends bin ich kaputt, ist eh nichts los, spiele noch ein bisschen auf meinem iPhone, habe mich schon daran gewöhnt, keine TV, kein Radio, aber der Laptop fehlt schon.

Die restliche Zeit ist jetzt aber schon ziemlich verplant.

14. Tag - 16. Oktober 2010

War mit Eva, ihrem Freud und einer Freundin auf dem Designer Mercato. Habe 2 Pulli (Cashmire) gekauft. Der Typ war richtig nett. Hat mich für Evas Mutter gehalten, ein Kompliment, da sie sehr hübsch ist und eigentlich meine Enkelin sein könnte. War ihm aber peinlich. Vorher war ich schon auf dem Flohmarkt beim Gefängnis und habe da ein Kleid und einen Rock gekauft im Stil von Desigual, war aber nicht so teuer. Es stellt sich aber immer die Frage, braucht man es wirklich? Auf der anderen Seite, in Mailand gehört Shoppen zum Leben.

Hat leider angefangen zu regnen, deshalb waren wir noch kurz einen Café trinken. Ich bin dann noch in die Stadt gegangen (Duomo), unglaublich man kommt kaum durch vor lauter Tüten. Habe dann ausnahmsweise mal den Buchladen gefunden. Er ist riesig - 5 Etagen - genau das Richtige für einen regnerischen Tag. Werde nochmals herkommen, ich liebe Bücher!

Inzwischen giesst es aus Kübeln, aus einem seltsamen Grund kommt wieder einmal diese Strassenbahn nicht und wenn würde ich auch gar nicht mehr reinpassen, es warten bereits Hunderte. Habe beschlossen zu laufen und war natürlich tropfnass. Habe dann wieder einmal im Mayflower die Happy Hour genossen, das Essen ist wirklich schrecklich, aber die Besitzer super nett. Egal, war trocken und satt bin ich auch geworden.

Meine erste Nacht alleine in der Wohnung, die Neue kommt erst morgen und Caty ist schon ausgezogen. Gefällt mir lange nicht so, wie ich dachte. Der Mensch ändern schnell seine Gewohnheiten.

15. Tag - 17. Oktober 2010

Regnet immer noch und es ist saukalt. Überlege im Bett zu bleiben, aber in diesem Zimmer freiwillig? Weiss nicht, ob der Ausflug überhaupt stattfindet. Beschliesse aber zum Centralo zu fahren und mir dort wenigsten einen Kaffee und ein Frühstück zu kaufen. Treffe dann schon bald auf den netten Südamerikaner, wir frühstücken dann auch, gibt natürlich wieder nur Süßes, aber irgend etwas muss ich ja essen.

Como ist super schon, aber es ist so kalt, dass wir ständig wo einkehren. Die Bücherei ist toll, alles in einem original Haus. Kaufe mir den kleinen Prinzen, diesmal auf italienisch „Il piccolo Principe“. Anschließend gönne ich mir einen Corto, Grappa mit einem Schuss Café, jetzt ist mir endlich wärmer.

Als ich nah Hause komme ist meine neue Romm Mate auch schon eingezogen, sie heisst Elana und ist Russin. Sie findet die Wohnung auch nicht so sauber und hat schon mal den Großputz eingeleitet (göttlich, warum ist sie nicht schon lange hier), ausserdem hat sie Geschirr mitgebracht, ich kann das auch benutzen. Was für mich heisst, ich bekomme endlich Café morgens, Super!
Unterhalte mich mit Ihr und manchmal werde ich auch sentimental unter all den jungen Leuten. Kann mich noch gut erinnern, als ob es gestern war. Bin aber auch froh, wenn ich wieder mal einen normalen Standard zum Leben habe. Werde ich alt? Denke aber, die 50+ Geschichten sind auch nichts für mich, wäre mir bestimmt zu langsam und zu öd. Alles berechenbar, nicht für mich, ich brauche das Ungewisse. Kann ja eigentlich gut mithalten.

16. Tag - 18. Oktober 2010


Hatte das erste Mal seit 2 Wochen Kaffe vor dem Duschen, Luxus pur, dank Elenas Geschirr, bin gleich besser drauf. Mache jetzt auch wieder Yoga, hilft natürlich auch. Elena hat Nachmittags Schule, deshalb kann ich alles in Ruhe machen.
Waren heute total wenige in der Klasse, kommt man ständig dran, Montag ist immer schlecht, da kommt nur der harte Kern. Hatte nur kurz ein Sandwich und bin dann zurück zum Internet, das nächste Mal nehme ich den Laptop mit, die PCs sind - trotz MAC - ätzend und die Keyboard sind schmutzig. Habe gelesen, dass auf Keyboards mehr Viren sind als auf dem Klodeckel. Mahlzeit.

Danach wie üblich die Stadt erkunden, langsam habe ich den Dreh raus. Man muss sich Städte eben erlaufen und bei mir dauert das länger, weil ich immer in die falsche Richtung laufe. Na ja. man muss nicht alles können, aber der Genfehler bei mir ist schon sehr lästig.

Als ich zurück komme putzt Elena, was ich nicht weiss, es bleibt auch so bis zu meiner Abreise. So ist das im Leben, so muss ich auf andere gewirkt haben, als ich immer so am putzen war. Bin überhaupt an der Lösungen einiger Dinge dran,  es lohnt sich mal für einige Wochen ein anderes Leben zu führen.
Ausserdem will sie mich bekochen. Finde ich natürlich toll, jetzt bekomme ich auch noch was zu essen.

Fortsetzung folgt - tbc